PureMetalWorld: Hallo Dionysos, erst einmal Gratulation zum unglaublich wuchtigen Debutalbum von Under That Spell! Kannst du unserer Leserschaft kurz erläutern, warum du im Jahr 2008 bei Helrunar ausgestiegen bist und dann relativ zügig die restlichen Mitglieder von Under That Spell um dich
versammelt hast (abgesehen von "Sin", der ja von Helrunar stammt)
Under That Spell/Dionysos:Vielen Dank für das Kompliment. Ich war bei Helrunar schon längere Zeit sehr unglücklich, es gab einfach zu viele Unterschiede in den Meinungen der einzelnen Mitglieder dazu, wie eine Band zu funktionieren hat. Ich musste dann natürlich bedenken, dass ich mit einer neuen Band von vorne anfangen muss, was aber im Nachhinein der richtige Weg war. Authentizität ist mir als Musiker enorm wichtig, da muss dann alles andere hinten an stellen. Dass ich als Vollblut- Musiker natürlich eine neue Band starte, lag auf der Hand. Bei den Mitmusikern habe ich stark darauf geachtet, dass sie meine Ideale meines Musikerdasein teilen, und wir zusammen einen Weg bestreiten wollen. Dass das dann alles doch relativ schnell ging, freut mich natürlich.
PureMetalWorld: Was verbirgt sich hinter dem Namenskonzept von Under That Spell? Sind dies die alltäglichen Mühen, denen der moderne Mensch unterworfen ist, sozusagen eine Art Fluch, bzw. "Zauberspruch" im negativen Sinne, dem man nicht entkommen kann und den Menschen daran hindern, so zu Leben wie es natürlich für ihn wäre?
Under That Spell/Dionysos: Das hast Du sehr gut wiedergegeben. Der Mensch entartet sich immer mehr und wenn Du Dich mal umschaust, wirst Du in viele leere Gesichter blicken, denen es an Inhalt und einem Gefühl der Stärke und Bewusstsein für den eigenen Geist völlig fehlt. In einer solchen Welt fällt es mir schwer, den Mut nicht zu verlieren, ich fühle mich gefangen in einer Art „Bannkreis des Lebens“, was ja auch in unserem Logo deutlich wird. Wir möchten uns allerdings nicht in die Reihen der permanent klagenden und jammernden stellen, sondern betonen den aktiven und selbst bestimmten Aspekt, die Eigenverantwortung die jeder Mensch hat, um sich nicht an der Dummheit zu beteiligen.
PureMetalWorld: Wäre im Zusammenhang Unnatürlichkeit der menschlichen Gesellschaft und Ablehnung derer der Link für dich zum Black Metal gegeben und bedeutet Black Metal für dich mehr eine Besinnung auf Natürlichkeit des Menschen und weniger ein plattes "Wir packen uns paar Nieten an den Arm und sind aus Prinzip dagegen" - Image, so wie dies bei einigen Vertretern der heutigen Black Metal Szene zu finden ist ?
Under That Spell/Dionysos: Black Metal kann eine Vielzahl an Themen inhaltlich ansprechen und verarbeiten... Ich könnte hier gar keine allgemein gültige Aussage treffen. Vor allem ist es doch wohl jedem selbst überlassen, was für ihn Black Metal ist, und was nicht.
PureMetalWorld: Der letzte Track des Albums, gleichzeitig auch Namensgeber dessen, "Apotheosis", betitelt eine Emporhebung zum Gott.Wer ist derjenige, dem gottgleicher Status verliehen wird? Ist dies möglicherweise ironisch zu verstehen und an Menschen gerichtet, die sich für etwas besseres als andere halten, die einer Art Elitedenken unterstehen und die Welt lediglich in schwarz und weiß unterteilen und ausbeuten, dazwischen aber keinen Raum für Toleranz, Entwicklung oderNachhaltigkeit lassen? Zusätzlich lassen die Songtitel und das Artwork (die Lyrics liegen mir leider nicht vor) zumindest erahnen, in welche Richtung es textlich gehen könnte.
Under That Spell/Dionysos: Das ist eine Sache der Interpretation und kann gar nicht zu 100 Prozent beantwortet werden, da wir in den Lyrics lediglich Gedanken äußern, die letzte Auflösung jedoch fehlt. Ich finde Deine Idee wirklich sehr interessant... Für mich stellt sich bei der „Apotheose“ die Frage, ob wir einen Gott brauchen, oder ob nicht das göttliche in jedem von uns selbst steckt, wir es lediglich aktivieren müssen. Dies würde jeden einzelnen auch von dem oben beschriebenen Zustand befreien, hinleiten zu einem starken, individuellem Leben. Und auch wenn es elitär wirkt: Ich möchte mich nicht zu denen zugehörig fühlen, die ich in unseren Texten beschreibe, da fühle ich mich wirklich als „etwas besseres“...
PureMetalWorld: Musikalisch habe ich im Review zumindest einige Bands erahnen können, die euch beeinflusst haben, darunter frühe Dissection, Darkthone, eventuell auch frühe Opeth und immer wieder Satyricon. Welche Bedeutung haben die genannten Bands für euch und welcher Einfluss lässt sich in deinen Ohren im Sound von Under That Spell ausmachen?
Under That Spell/Dionysos: Darkthrone höre ich überhaupt nicht, auch in der Vergangenheit kaum... Dissection und Satyricon sind ganz klar ein Einfluss für Under That Spell, aber auch die großen Ulver dürfen nicht unerwähnt bleiben. Satyricon habe ich in meinen Anfangstagen viel gehört, mittlerweile mag ich sie nicht mehr so gerne, obwohl auch die rockige Komponente der neueren Platten einen Reiz hat. Dissection bleiben für mich auf immer und ewig unerreicht, viel versuchen sie zu kopieren, aber niemand kommt da heran (wir leider auch nicht). Sicherlich eine ganz große Band, deren Ende leider viel zu früh gekommen ist.
PureMetalWorld: Interessant finde ich persönlich, dass in eurer Musik sowohl uriger Black Metal zu finden ist, als auch moderne, komplexe Elemente. Ist es nicht manchmal schwer, beide Klangarten unter einen Hut zu bringen? Gibt es bei der Komposition der Songs eine Art demokratisches Votum innerhalb der Band oder bist du als Gitarrist und Chef der Band ganz alleine für die Arrangements verantwortlich?
Under That Spell/Dionysos: Der Prozess des Songwritings ist für mich keine kognitive Sache, es läuft zu 90 % in meiner Gefühlswelt ab. Daher unterscheide ich gar nicht, ob ein Riff nun modern oder eher traditionell ist, wenn es passt und sich gut anfühlt ist alles so, wie es sein soll. Ich denke, Under That Spell spiegeln gut meine Einflüsse und Hörgewohnheiten wieder, und das sind nun einmal die alten UND neuen Sachen. Das Songwriting liegt schon zu 99 % bei mir, trotzdem müssen die Songs allen gefallen, ebenso wie die Texte. Alle sollen dahinter stehen und die Message transportieren können. Ich hoffe, dass bei den nächsten Outputs auch die anderen mehr beisteuern werden.
PureMetalWorld: Wie gestalteten sich die Arbeiten für das Album? Entstand ein Großteil der Songs im Proberaum und seid ihr anschließend fix und fertig vorbereitet ins Studio gegangen? Oder sind auch spontane tudioideen auf dem Album zu finden? Ich kann es mir schwer vorstellen, dass auf einem solch dichten Album Raum für spontane Ideen ist.
Under That Spell/Dionysos: Die meisten Sachen sind fertig, wenn wir ins Studio gehen. Wir machen eine Art Vorproduktion in meinem kleinen Studio, wo dann die letzten Fehler und Feinheiten bearbeitet werden. Im Studio geht es dann sehr schnell, was ich generell favorisiere. So bleibt der Spirit der Musik erhalten, alles klingt etwas roher und echter, als wenn man wochenlang an Songs herumfeilt... Das setzt natürlich voraus, dass alle gut vorbereitet sind und jeder seine Parts kann. Hierbei habe ich bei meinen Mitmusikern echt Glück gehabt, so was professionelles habe ich in einem Studio selten gesehen.
PureMetalWorld: Was möchtest du mit Under That Spell alles erreichen? Für 2010 sind ja bereits eine Tour sowie das Wolfszeit Festival angesagt. Wird man euch in persona noch auf anderen Events bestaunen können?
Under That Spell/Dionysos: Wir spielen auch auf dem Party.San 2010, was mich natürlich enorm freut. Außerdem stehen wir derzeit natürlich noch in Verhandlungen mit weiteren Festivals. Ich möchte mit Under That Spell vor allem Musik abliefern, die meinen Stand des heutigen Black Metals wiedergibt und auch inhaltlich haben wir etwas zu sagen. Dies alles soll natürlich auch live gezeigt werden, wenn es nach mir geht ruhig mehr als weniger. Momentan klappt das alles auch sehr gut, wenn es so weitergeht schätze ich mich glücklich.
PureMetalWorld: Das letzte Wort gehört dir: Was möchtest du unserer Leserschaft unbedingt mitteilen?
Under That Spell/Dionysos: Hört mehr Motörhead !!!!!!!!!!!!!!!!!